Pamphlet #5. Digitale Diskursanalyse

Marcus Müller, Dezember 2017

In der Diskursanalyse geht es um das Verhältnis von Sprache, Wissen und Gesellschaft. Die Rolle der Digitalen Linguistik in diesem Feld liegt darin, in Sprachkorpora, die mit Daten über Sprachverwendung und Sprecher*innen angereichert sind, Muster zu messen, kategorisieren und kontextualisieren, die als Spuren sozialer Interaktion gedeutet werden. Dabei kann man zwei Zugänge unterscheiden: Das forensische Programm begreift Sprache als Hinweis auf Phänomene, welche ideen-, kultur- und sozialgeschichtlich relevant sind; das explorative Programm nimmt die Prinzipien der Formierung von Sprache in sozialen Kontexten in den Blick. Das Pamphlet entwickelt die methodologischen Grundlagen der Digitalen Diskursanalyse entlang der Begriffe ‚Index‘, ‚Spur‘ und ‚Kontextualisierung‘. Am Beispiel der Modalpartikelkonstruktion des Typs doch eben, doch eigentlich im Kontext der Bioethikdebatte stellt es die Forschungspraxis vor und plädiert schließlich für solche Forschungsmethoden, mit denen der textuelle Zusammenhang quantitativer Ergebnisse nicht aus dem Blick gerät.
 
 

Discourse Analysis deals with the interrelationship between language, knowledge, and society. The role of Digital Linguistics within this field lies in measuring, categorising, and contextualising patterns in language corpora enriched with data on language use and speakers. In Digital Discourse Analysis, we interpret those patterns as traces of social interaction. We distinguish two linguistic approaches to discourse: The forensic program conceives language as indication of phenomena that are relevant to conceptual, cultural, or social history. The explorative program examines the principles of language formation in social contexts. The pamphlet draws up the methodological foundations of Digital Discourse Analysis based on the terms ‚index‘, ‚trace‘, and ‚contextualisation‘. Taking the example of the modal particle construction of the type doch eben, doch eigentlich in the bioethics debate, the research practice is presented. Finally, the pamphlet advocates research methods that help not to lose sight of the textual context of quantitative results.

 

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